Dokville-Archiv 2005 bis 2016

dv16 motiv 450pxDOKVILLE 2016

WORK IN PROGRESS:
DAS KONGO TRIBUNAL

Ein Mammutprojekt über den »dritten Weltkrieg«

Bis zu sechs Millionen Tote, unvorstellbare Gräuel: Der Kongo-Krieg wird auch als »Dritter Weltkrieg« bezeichnet, alle Großmächte unserer Zeit sind direkt und indirekt verwickelt. »Das Kongo Tribunal« widmet sich dem Thema analog und digital: Geplant sind ein Theaterstück, eine Kinodoku, ein interaktives Webformat, Begleitbuch, Graphic Novel und Symposien. Ein politisch-künstlerisches, transmediales Mammutprojekt. »Dieser Konflikt hat Ursachen, die auch zu uns führen«, sagte Regisseur Milo Rau im Gespräch mit Filmemacher Andres Veiel bei Dokville.

 

» Video zu dieser Veranstaltung ansehen 

Im Mai 2015 versammelte Regisseur Milo Rau die Akteure und Analytiker des Kongo-Kriegs in Bukavu, der Provinzhauptstadt der vom Krieg am stärksten betroffenen Provinz Süd-Kivu. Im Anschluss fand in Berlin ein ziviles Volkstribunal statt, das als Reaktion auf die Passivität der Internationalen Gemeinschaft der jahrzehntelangen Straflosigkeit in der Region entgegenwirken soll. Der Film dokumentiert die Geschehnisse der Verhandlungstage, und zeichnet mittels dokumentarischer Untersuchungen vor Ort ein Porträt dieses gewaltigen Wirtschaftskriegs – seiner ökonomischen und politischen Ursachen genauso wie seines konkreten Gesichts.

Das transmediale Projekt, das nach Aussagen von Produzent Arne Birkenstock im Moment rund 335.000 Euro kosten soll, wurde bei unserem Branchentreff als »Work in Progress« vorgestellt. Neben Arne Birkenstock hatte Andres Vwiel - diesmal nicht als Filmemacher, sondern als Moderator dabei - Regisseur Milo Rau, Creative Director Daniel Wagner und Co-Produzent Roman Roitman auf die Bühne geladen.

Roman Roitman erklärte, weshalb das Projekt eine transmediale Umsetzung erleben wird: »Wir haben schnell gemerkt, dass dieses Thema für ein Medium zu groß ist«, meinte er. Unter anderem soll auch ein Computerspiel erscheinen, dass den Spieler mitten in die Gräuel des Krieges versetzen soll. Auch eine Graphic novel und ein Theaterstück gehören mit zu der transmedialen Präsentation des Stoffes.

Am erklärungsbedürftigsten war bei Dokville die Inszenierung als Computerspiel. Sie soll nicht deshalb gewählt werden, weil es gerade angesagt ist - es bestehe die Gefahr der Verharmlosung. »Wir sind bei diesem Projekt alle Geschichtenerzähler, egal ob Filmer oder Webdesigner«, erklärte Daniel Wagner, verantwortlich für die interaktive Umsetzung.

Finanziert wurde der Film über gleich mehrere Ecken - dennoch gibt es laut dem Produzenten Arne Birkenstock momentan noch eine Finanzierungslücke von 60.000 Euro.

 

Videomitschnitt der Panel-Diskussion zu »Das Kongo Tribunal« bei Dokville 2016
© Haus des Dokumentarfilms / Dokville, 2016