»Fakes, Fakten, Footage«: Vorschau auf Dokville 2017

Branchentreff des Hauses des Dokumentarfilms erstmals in Stuttgart 

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»Fakes, Fakten, Footage«- so heißt der Tagungstitel von Dokville 2017. Vom 29. bis 30. Juni geht es in Stuttgart beim Branchentreff Dokumentarfilm um Filme, die Geschichte und Geschichten mithilfe von Footage erzählen. Der Begriff Footage wurde gewählt, weil er, anders als Archivmaterial, jede Art von Quellmaterial bezeichnet: private, staatliche, öffentlich-rechtliche Archive und auch Aufnahmen aus dem Internet.

»Kompilationsfilme« sind in, so scheint es, schaut man sich die Fülle an Produktionen der letzten beiden Jahre an. Nie zuvor kamen so viele Dokumentarfilme in die Kinos, die größtenteils mit Archivmaterial erzählt werden: »Beuys«, »Eat that question – Frank Zappa in his own words«, »Amy«, »I’m not your Negro«, »Pawlenski – Der Mensch und die Macht« oder »O.J.: Made in America« (der diesjährige Oscarpreisträger) - um nur einige aus einer langen Liste zu nennen. Hinzu kommen Filme, die kein Archiv nutzen, sondern sich aus dem Internet bedienen, wie »#My Escape«, »#Uploading Holocaust«, »My Life under Erdogan« und »Return to Holms«. Auch diese Liste ist lang.

Was macht diese Art des Erzählens für Filmemacher so attraktiv? Wie hat sich diese Erzählform mit Web 2.0 verändert? Wie nähert man sich dem Quellmaterial an, wie kann verifiziert werden, was authentisch wirkt, aber nicht sein muss? Wie wird man Herr über eine unglaubliche Materialfülle? Dies sind einige der Fragen, die bei Dokville 2017 eine Rolle spielen werden. Mit dabei sind »Case Studies« zu ausgesuchten Dokumentarfilmprojekten, Hintergrundinformationen und Sachbeiträge zu relevanten Themen für Filmemacher, Produzenten, Redakteure und Studenten. Eine Frage, die Dokville 2017 wie ein roter Faden durchziehen wird, lautet: Wie kann man das dokumentarische Genre und dokumentarisches Arbeiten als Wert in Zeiten von »fake news« und »alternative facts« sichtbarer machen?

Erstmals findet die vom Haus des Dokumentarfilms ausgerichtete Tagung im Kino Metropol 2 in der Stuttgarter Innenstadt statt. Ebenfalls Premiere feiert parallel das SWR Doku Festival. Es wird vom 28. bis 30. Juni 2017 - auch in Sälen des Metropol - veranstaltet. Am Abend des 30. Juni wird die Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises den Schlusspunkt setzen.

(Astrid Beyer)

Veröffentlicht: 21.3.2017