Dokville 2015: »Film + Social Media«

Dokville 2015 - Branchentreff Dokumentarfilm
18. und 19. Juni 2015
Scala Ludwigsburg

Thema:
»film + social media: Sprengkraft für den Dokumentarfilm«
Kuratorin: Astrid Beyer

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Multimediale Dokumentation des
Branchentreffs Dokumentarfilm

 


Was bedeuten Soziale Medien für den Dokumentarfilm?

Das Verhältnis von Medien, Politik und Kunst ist seit Jahren Thema, besonders seit das Internet und Soziale Medien die Medienlandschaft nachhaltig prägen. Was heißt das für den Dokumentarfilm? »Deutlich wird die Verantwortung des Dokumentarfilms als potentielle Gegenöffentlichkeit«, erläuterte Medienwissenschaftlerin und Produktionsassistentin Laura Johanne Zimmermann bei Dokville.

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Film & Social Media: Case Study »10 Milliarden«

Was ist eigentlich ein Kampagnenfilm? Laura Johanne Zimmermann erklärte dies bei Dokville 2015. Das Schwerpunktthema des Branchentreffs widmete sich der Vermarktung eines Dokumentarfilms im Zeitalter digitaler Kampagnen. Eine Schöne Aussage der jungen Wissenschaftlerin: »Ein Kampagnenfilm kann Erfolg haben, muss es aber nicht.« Denn der Erfolg ist die Kampagne.

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Film & Social Media: Case Study »The Yes Men Are Revolting«

Mit diesem Thema brachte Dokville 2015 seine Gäste zum Schmunzeln. Der Grund dafür war der ausführliche Filmbeitrag zu »The Yes Men Are Revolting«. Der deutsche Produzent Christian Beetz (gebrüder beetz filmproduktion) hatte diesen Film über zwei amerikanische Politaktivisten mitgebracht. Das Publikum war mehr als angetan.

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Günter Wallraff: Journalistenlegende sucht Nachfolger

Er war der Hans Esser bei der Bild-Zeitung, als türkischer Gastarbeiter Ali ganz unten, er schlüpfte für Undercover-Recherchen unter anderem in die Rolle eines Paketfahrers und Call-Center-Agenten: Günter Wallraff enthüllt seit 50 Jahren Missstände und gilt vielen als das soziale Gewissen des bundesdeutschen Journalismus. Dietrich Leder, Professor für Fernsehen und Film an der Kunsthochschule für Medien Köln, traf ihn bei Dokville 2015 zu einem Gespräch über seine dokumentarische Arbeit.

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Dokumentarfilmland Schweiz - eine Erfolgsgeschichte

Die Schweiz ist seit vielen Jahren nicht nur für Schokolade, Feinmechanik und Bankgeschäfte, sondern auch für ihre Dokumentarfilme bekannt. Der Förderfokus liegt in dem Alpenstaat besonders auf diesem Genre, und auch das Schweizer Publikum begeistert sich für Dokumentationen. Corinna Marschall, Geschäftsleiterin von MEDIA Desk Suisse, sprach bei Dokville über die Fördermöglichkeiten und Dokumentarfilmszene in der Eidgenossenschaft. Die harten Fakten beeindrucken: »48 Prozent aller Schweizer Kinofilme sind Dokumentarfilme«, berichtete sie.

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Wie das Internet »Sleepless in New York« und »Iraqi Odyssey« ermöglichte

Die Schweiz hat eine Passion für den Dokumentarfilm. Nicht nur das Kinopublikum, auch die örtliche Filmförderung setzt auf das Genre. Hochwertige Produktionen wie »More than Honey«, »Sleepless in New York«, »ThuleTuvalu« oder »Iraqi Odyssey« haben es international auf die Leinwände und in die Feuilletons gebracht. Vernetzung, Austausch und Aktion über Onlinekanäle spielen auch in der Eidgenossenschaft eine immer stärkere Rolle - besonders bei »Iraqi Odyssey« von Samir und »Sleepless in New York« von Christian Frei.

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Documentary Campus: Aus dem Innenleben der Masterschool

Kreativer Austausch, Unterstützung von Experten, Entwicklung von Filmprojekten: Der Documentary Campus ist für Filmemacher eine feste Größe der europäischen Dokumentarfilmszene. Jedes Jahr werden für die Masterschool auch sechs Bewerber aus Deutschland aufgenommen. Donata von Perfall, Geschäftsführerin des Documentary Campus, sprach bei Dokville mit den ehemaligen Absolventen Alice Agneskirchner, Anke Petersen, Anne Bürger und Valentin Thurn.

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Film + Social Media: Case Study zu »10 Milliarden«

 

 

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Was ist eigentlich ein Kampagnenfilm? Laura Johanne Zimmermann erklärte dies bei Dokville 2015. Das Schwerpunktthema des Branchentreffs widmete sich der Vermarktung eines Dokumentarfilms im Zeitalter digitaler Kampagnen. Eine Aussage der jungen Wissenschaftlerin: »Ein Kampagnenfilm kann Erfolg haben, muss es aber nicht.« Denn der Erfolg ist die Kampagne.

Vor allem der Marketingaufwand hat sich bei Filmen wie »10 Milliarden« enorm verschoben. Vor allem »virales Marketing« ist wichtig.

Annekathrin Otto, Kommunikationsexpertin, berichtete im Anschluss von ihren praktischen Erfahrungen bei der Kampagne zu »10 Milliarden«, Valentin Thurns neuem Dokumentarfilm über die Herausforderung, 10 Milliarden Menschen zu ernähren. Otto brachte es auf den Punkt: »Social Media ist heute einfach ein Muss.«. Wenn die Diskussion der Fans zu hitzig wurde, bat die PR-Fachfrau Regisseur Thurn, die Kommentare selbst zu schreiben.

Das Thema wurde mit einem großen Panel beschlossen. Teilnehmer des Panels waren: Valentin Thurn, Autor, Produzent, Thurnfilm; Jürgen Kleinig; Produzent, Celluloid Fabrik Filmproduktion; Annekathrin Otto, Social Media Beratung, Gruen Schlau & Partner; Laura Johanne Zimmermann, Produktionsassistentin, Thurnfilm. Einleitend hatten in einem Doppeleröffnugsvortrag mit dem Titel »Neue Potentiale für den Dokumentarfilm durch den Medienwandel« die Journalistin und Dokumentarfimerin Karin de Miguel Wessendor und Laura Johanne Zimmermann (Produktionsassistentin, Thurnfilm) gesprochen.

 

(Thomas Schneider)

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Was bedeuten Soziale Medien für den Dokumentarfilm?
Eine Einschätzung von Laura Johanne Zimmermann

 

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Das Verhältnis von Medien, Politik und Kunst ist seit Jahren Thema, besonders seit das Internet und Soziale Medien die Medienlandschaft nachhaltig prägen. Was heißt das für den Dokumentarfilm? »Deutlich wird die Verantwortung des Dokumentarfilms als potentielle Gegenöffentlichkeit«, erläuterte Medienwissenschaftlerin und Produktionsassistentin Laura Johanne Zimmermann bei Dokville. Und weiter: »Dokumentarfilm kann gar nicht nicht politisch sein.« Zimmermanns Beobachtung nach ist eine breite Medienöffentlichkeit aber nach wie vor an spezialisierte Organisationen gebunden, die sich vor allem als Dienstleister verstünden und ökonomisch geprägt seien. Das Private werde zudem mehr und mehr öffentlich, während das Politische in den Hintergrund rücke. Eine Art Big-Brotherisierung der Gesellschaft also - auch befeuert durch Soziale Medien.

Doch es gibt umgekehrt viel Potential. Zimmermann präsentierte bei Dokville etwa »Fort McMoney«, eine interaktive, als Spiel präsentierte Webdokumentation über den Ölboom im kanadischen Fort McMurray. Der Spieler erfährt in dokumentarischen Aufnahmen und Interviews etwas über die Bewohner Fort McMurrays - bestimmt mit anderen Spielern aber auch die virtuelle Zukunft der Stadt. »Bisher werden Geschichten meist linear erzählt - Anfang, Mitte, Schluss. Dokumentationen mit diesem klassischen Ansatz haben oft nur noch wenige Zuschauer, ein Film erreicht sein Ziel kaum, zum Nachdenken anzuregen. Aber genau das möchte ich mit meinem Doku-Spiel: Interesse wecken, was uns die Ölproduktion kostet oder auch bringt, welche Auswirkungen sie auf die Umwelt hat«, erläuterte Autor David Dufresne in der Süddeutschen.

Der sogenannte partizipative Dokumentarfilm setzt auf Filmmaterial von Nutzern, die dieses etwa auf Youtube und anderen digitalen Plattformen bereitstellen. Die Videos - oder auch Tondokumente - werden dann professionell zusammengesetzt und meist durch Profimaterial ergänzt. Eine Form des kollektiven Individualismus, erläuterte Zimmermann. Aber auch für den klassischen Dokumentarfilm ergeben sich neue Verbreitungswege über Soziale Medien. Es müsse zunächst aber immer erörtert werden, welche Zielgruppen genau erreicht werden sollen. Grundsätzlich gelte beim politischen Dokumentarfilm Anschlusskommunikation als Voraussetzung für aktive Veränderung. Dafür seien Soziale Medien von Natur aus die richtige Wahl. Der Wandel, der sich durch das Internet für die Szene ergebe, rücke laut Zimmermann den politischen Dokumentarfilm und seine Funktion auch zurecht wieder ins Licht der gesellschaftlichen Debatten.

Sehen Sie hier den Videomitschnitt von Dokville 2015:


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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Film + Social Media:
Case Study zu »The Yes Men Are Revolting«

 

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Mit diesem Thema brachte Dokville 2015 seine Gäste zum Schmunzeln. Der Grund dafür war der ausführliche Filmbeitrag zu »The Yes Men Are Revolting«. Der deutsche Produzent Christian Beetz (gebrüder beetz filmproduktion) hatte diesen Film über zwei amerikanische Politaktivisten mitgebracht. Das Publikum war mehr als angetan.

In die Podiumsdiskussion im Anschluss, bei der auch der Arte-Thema-Koordinator Martin Pieper und Attac-Vertreter Stephan Kettner teilnahmen, wurde live aus Los Angeles via Skype Regisseurin Laura Nix zugeschaltet. Zum morgendlichen Kaffee erzählte sie, wie sie mit dem »Yes Men« gearbeitet hat.

Bei den Yes Men steht Kommunikation in allen Medien an erster Stelle. Bereits die Anfangsfinanzierung des neuen Films »The Yes Men are revolting« erfolgte über die Crowd. Bei kickstarter pitchten Jacques Servin und Igor Vamos, so die bürgerlichen Namen der beiden, ihr Filmprojekt. Sie fragten nach 100.000 US-Dollars, erhielten 146.000 von 2523 Unterstützern und jede Menge verbalen Zuspruch. Der Schwarm identifiziert sich mit den Ideen der beiden als Mike Bonanno und Andy Bichlbaum bekannten Akteure und ist bereit zu spenden.

In »The Yes Men are revolting« gelingt der Filmemacherin Laura Nix eine Kombination aus Charakterstudie und unterhaltsamer Dokumentation, was nicht zuletzt an den kreativen Aktionen von Mike Bonanno und Andy Bichlbaum liegt. Der Film zeigt, wer die Menschen hinter den Shows sind und vermittelt die hoffnungsvolle Botschaft, dass Veränderung möglich ist, wenn man sich dafür einsetzt.

Teilnehmer der Diskussion bei Dokville 2015 waren: 

Christian Beetz, Autor, Produzent, Gebrüder Beetz
Stephan Kettner, Attac Bamberg
Martin Pieper, Subkoordinator THEMA/ARTE, Redaktionsleiter

 

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(Thomas Schneider)

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Documentary Campus:
Aus dem Innenleben der Masterschool

 

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Kreativer Austausch, Unterstützung von Experten, Entwicklung von Filmprojekten: Der Documentary Campus ist für Filmemacher eine feste Größe der europäischen Dokumentarfilmszene. Jedes Jahr werden für die Masterschool auch sechs Bewerber aus Deutschland aufgenommen. Donata von Perfall, Geschäftsführerin des Documentary Campus, sprach bei Dokville mit den ehemaligen Absolventen Alice Agneskirchner, Anke Petersen, Anne Bürger und Valentin Thurn. Vom Drehbuch über den Schnitt und die multimediale Umsetzung bis hin zur Finanzierung: Die Workshops des Documentary Campus sind nicht nur für frische Absolventen von Filmhochschulen interessant. Durch die Unterstützung der EU und des Deutschen Filmförderfonds ist die Teilnahme am Documentary Campus kostenlos. Verpflegung und Unterkunft muss allerdings selbst getragen werden. Wenn ein Film in Produktion geht, fällt eine Rückzahlung von 8.000 Euro an - diese wird wiederum in die Filmförderung investiert.

Alice Agneskirchner nahm als erfahrene Filmemacherin mit einem Projekt über unser Verhältnis zur Natur, zum Tier und zur Jagd teil. Gerade die Möglichkeit, vor 40 bis 50 Redakteuren bei den Leipzig Networking Days ein Projekt vorzustellen, sei sehr hilfreich. Die Parole »think big« sei für ihr Filmprojekt zunächst eine Herausforderung, dann aber die richtige Strategie gewesen, sagte sie. Nachdem sie für »Killing Bambi« einen Produzenten gefunden hatte, erhält sie mittlerweile auch Fördergelder. Die Übungen zu den Pitches während der Masterschool hätten ihr bei der Selbstmotivation und Strukturierung schlussendlich sehr geholfen - auch wenn sie anfangs damit gewisse Probleme gehabt habe. Valentin Thurn, der Autor von »Taste the Waste«, bestätigte bei Dokville diese Einschätzung. Die Pitches seien zwar manchmal nervig, würden beim Fokussieren auf eine bestimmte Richtung aber ungemein helfen.

Nach drei fünftägigen Workshops und der Präsentation der Filmideen in Leipzig, wird in einem vierten Abschlussworkshop die Finanzierungsstrategie festgelegt. Denn Fördergelder garantiere die Teilnahme beim Documentary Campus nicht automatisch, erläuterte von Perfall. Die Chancen seien durch die Bekanntheit der Projekte in der Szene dann aber höher. Anke Petersen und Anne Bürger haben mit einem dokumentarischen Serienprojekt an der Masterschool teilgenommen. »The Fashion Paradox« heißt ihr Werk, das sich während des Documentary Campus auch grossmedial entwickelt hat. Mode, Massenproduktion, Wegwerfgesellschaft ist das Thema. Es werde kaum über nachhaltige Alternativen berichtet, erläuterte Bürger. In der Dokuserie begleiten sie die Londoner Modebloggerin Susanna Lau, die sich weltweit auf die Suche nach kreativen Modemachern begibt, die die Industrie verändern möchten. »Uns geht es darum, den Menschen den Spaß und die Freude an nachhaltiger Mode zu vermitteln. Aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger«, sagte Bürger. Designer wie etwa Karl Lagerfeld, Modedesign-Studierende, Aktivisten, aber auch große Textilkonzerne kommen zu Wort. Durch die unzähligen Follower von Lau auf Twitter und Instagram sei es nur folgerichtig gewesen, diese Kanäle auch zu nutzen. Dazu gibt es ein Contentportal im Internet mit einem Shopfinder, interaktiven Blog und Dutzenden Hintergrundinformationen. Die Seite soll als Anlaufplattform für Konsumenten, Industrie und Designer etabliert werden.

Der Austausch mit anderen Filmemachern während des Documentary Campus sei unglaublich spannend und bereichernd gewesen, berichteten Bürger und Petersen. Alle teilnehmenden Filmemacher hätten tolle Ideen und mehr oder weniger die gleichen Probleme - etwa in Sachen Finanzierung und Produzentensuche. Valentin Thurn konnte mit seinem Film »Taste the Waste« eine Debatte über die tagtägliche Lebensmittelverschwendung anstoßen. Er bewarb sich für die Masterschool mit diesem crossmedialen Kampagnenfilm. Mittlerweile werde etwa die Internetseite von einem Programmierer kostenfrei betreut. Das Projekt habe Leute angezogen, die am liebsten ohne Geldwirtschaft leben würden, berichtete er. Die Facebook-Seite zu seinem Filmprojekt wächst auch nach drei Jahren noch und hat mittlerweile über 25.000 Fans. Es gab Kochaktionen auf öffentlichen Plätzen, Ernteaktionen mit Schulklassen und der eigens gegründete Verein Foodsharing mit der entsprechenden Online-Plattform hat bundesweit Zulauf. Beim Documentary Campus habe ihm vor allem auch der Rhythmus zwischen den Workshops und den Arbeitsphasen zuhause gefallen, berichtete Thurn. Donata von Perfall betonte die Rolle des Documentary Campus als Netzwerkplattform. Denn besonders vom kreativen Austausch leben viele Ideen: Dass politischer Dokumentarfilm Veränderung bewirken kann und soll, das sei ihnen gerade in der Masterschool richtig bewusst geworden, erklärten Bürger und Petersen.

 

Sehen Sie hier den Videomitschnitt von Dokville 2015:


Eine zentrale Rolle für die sozialen Medien

Gemeinsam mit Laura Johanne Zimmermann (Taste of Heimat e.V.), Annekathrin Otto, die das Social Media Konzept erstellt hat, und Jürgen Kleinig, dem Koproduzenten, gibt Filmemacher Valentin Thurn (»Taste the waste«, »10 Milliarden«) Detailinformationen zu seinem aktuellen Dokumentarfilm und den unterschiedlichen Marketingstrategien.

Bildhinweis: Szene aus »10 Milliarden« © Thurnfilm

Bildhinweis: Szene aus »10 Milliarden« © Thurnfilm | unten: Valentin Thurn @ privat

In den letzten 10 Jahren haben sich zahlreiche Kinodokumentarfilme mit den Themen »Ernährung« und »Landwirtschaft« auseinandergesetzt. So sorgten im Jahr 2005 die beiden Filme »Unser täglich Brot« und »We feed the world« für kontroversen Gesprächsstoff. Im letzten Jahr waren mit »Der Bauer und sein Prinz« (2014) von Bertram Verhaag und »Viel Gutes erwartet uns« (2014) von Phie Ambo gleich zwei Produktionen über den ökologischen Landbau im Kino zu sehen. Zu den größten Erfolgen gehörte »Taste the waste« von Valentin Thurn. Seine Dokumentation über die verheerende globale Lebensmittelverschwendung traf 2011 einen Nerv, war mit über 130.000 Kinobesuchern ein spektakulärer Erfolg an der Kinokasse und bekam politisches Gewicht. In seinem neuen Film »10 Milliarden – wie werden wir alle satt?« beschäftigt sich der Filmemacher mit dem entwicklungspolitischen, für die Zukunft der Menschheit entscheidenden Thema »Welternährung«.

Soziale Medien spielen in der Auseinandersetzung eine zentrale Rolle. Bereits mit »Taste the waste« beschritt Thurn neue Wege. Er beließ es nicht bei dem Film, sondern vernetzte gleichgesinnte Interessengruppen miteinander. Aus einem »kleinen« Dokumentarfilm erwuchs eine große Bewegung. Ein Modell, das Schule macht und das Thurn in veränderter Form auch für seinen Film »Zehn Milliarden« nutzt. Zum Film gibt es das Buch »Harte Kost« mit vertiefenden Informationen und es wurde der Verein »Taste of Heimat« gegründet mit einer eigenen Internetseite. Auf ihr können sich unterschiedliche Anbieter und Initiativen darstellen, bzw. austauschen. Allen gemein ist, dass sie etwas an der gegenwärtigen Ernährungssituation verändern wollen. Und das ist auch das Ziel des Filmemachers. Valentin Thrun will bewegen, bei seinen Filmen stehen die Kampagnen im Vordergrund. FILMOGRAFIE VALENTIN THURN (Auswahl)

FILMOGRAFIE VALENTIN THURN (Auswahl)

10 Milliarden – Wie werden wir alle satt? Valentin Thurn, 2015, Nominierung Deutscher Naturfilmpreis, 2015

Bildhinweis: Valentin Thurn © Foto: privatDie Milchrebellen, Karin de Miguel Wessendorf und Valentin Thurn, 2014

Die Essensretter, Valentin Thurn, 2013

Taste the Waste – Warum schmeißen wir unser Essen auf den Müll? Valentin Thurn, 2011 Zahlreiche Festivalpreise sowie den Umwelt-Medienpreis der Deutschen Umwelthilfe

Frisch auf den Müll – Die globale Lebensmittelverschwendung, Valentin Thurn, 2010 Guillaume Depardieu – „Es ist die Hölle!“ Valentin Thurn, 2010

Tod im Krankenhaus – Der Kampf gegen die Superbakterien, Valentin Thurn, 2008 Impfen – Nur ein kleiner Nadelstich? Valentin Thurn und Sabine Goette, 2007

»Ich bin Al Kaida – Das Leben des Zacarias Moussaoui« Thurn, 2006 Nominierung Deutscher Filmpreis, 2006

Bittere Pillen, Valentin Thurn, 2005

Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra, Valentin Thurn und Frieder Wagner, 2004, Europäischer Fernsehpreis, 2004

»Papa liebt einen Mann« – Kinder und ihre homosexuellen Väter, Valentin Thurn, 2003 Felix-Rexhausen-Preis des Bundes lesbischer und schwuler JournalistInnen, 2003

 

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Günter Wallraff:
Problembewusstsein schaffen

 

Er war der Hans Esser bei der Bild-Zeitung, als türkischer Gastarbeiter Ali ganz unten, er schlüpfte für Undercover-Recherchen unter anderem in die Rolle eines Paketfahrers und Call-Center-Agenten: Günter Wallraff enthüllt seit 50 Jahren Missstände und gilt vielen als das soziale Gewissen des bundesdeutschen Journalismus. Dietrich Leder, Professor für Fernsehen und Film an der Kunsthochschule für Medien Köln, traf ihn bei Dokville 2015 zu einem Gespräch über seine dokumentarische Arbeit.


Mitschnitte dieser Dokville-Veranstaltung

1: Erste Anfänge
2: Bei der Bild und Gerlung
3: Ganz unten
4: »Bei Anruf Abzocke« und »Unter Null«
5: Die Vorbereitung auf Rollen
6: Der Sprung zu RTL
7: Fragen und Abschluss


Los ging es mit »Straßenmusikanten« - Wallraffs erstem Film für den WDR. Der war zu jener Zeit noch gar nicht auf Sendung. Er solle zum Start mal ein Thema ausprobieren, habe Redakteur Peter Märthesheimer gemeint. Expressionistische Bilder prägen das Werk - und eine gehörige Portion Situationskomik. »Hier entdecke ich heute schon eine Orientierung«, sagte Wallraff bei Dokville. Schließlich suche und provoziere er bis heute das Komische. Für Wallraff ein Stilmittel. Das WDR-Team von damals habe anfangs sogar Vorbehalte gehabt, die Straßenmusiker im Bus mitzunehmen - wegen »Seuchengefahr«. »Ich frage mich, ob Christus nicht gelacht hat», sagte einer der Musikanten damals. Daran erinnere er sich bis heute.

In der Not die besten Einfälle

Wallraff erkundete bevorzugt die Untiefen einer Leistungsgesellschaft und deren Verwertungslogik. Die Arbeitswelt, zunehmend neoliberalisiert, systematischer und punktueller Rassismus, dubiose Geschäftsmodelle - die Ausbeutung von und durch den Menschen. Und er hatte es meist mit mächtigen Gegnern und Widerständen zu tun. Der Film zu seinen Recherchen bei der Bild-Zeitung als Hans Esser etwa, blieb in Deutschland Jahrzehnte unter Verschluss. Sogar im Sender ging der Dreh zunächst nur unter einem Tarntitel durch. CDU und Arbeitgeberverbände skandalisierten den Film. Die Holländer hingegen sendeten ihn. Erst in den 2000ern lief er dann in Deutschland in einer Arte-Themennacht.

Schlüssige Legenden und gute Tarnung sind für Wallraffs Undercover-Recherchen unerlässlich. Winzige versteckte Kameras gibt es allerdings noch gar nicht so lange. In der Not habe er aber immer die besten Einfälle, berichtete Wallraff bei Dokville. Beim Gerling-Konzern schleuste er sich zunächst als Bote ein. Konzernintern habe man das Versicherungsgebäude eines ehemaligen Nazi-Architekten auch »Neue Reichskanzlei« genannt, erzählte Wallraff. Irgendwann brachte er dann sogar ein komplettes Kamerateam in das Vorstandszimmer. Den Sicherheitsmann vor dem Büro lenkte er mit einer spontan erfundenen Geschichte über einen »Starfighter«-Eignungstest« ab - der Leibwächter setzte sich eine Augenbinde auf. Diese Aktion war der Aufhänger, um den Versicherungskonzern mit besten Verbindungen zur konservativen Politelite lächerlich zu machen. 

Rollen verkörpern, nicht nur spielen

»Manches in meinen Büchern würde man nicht glauben, wenn es nicht auch filmisch und dokumentarisch belegt wäre«, erläuterte Wallraff. Das Filmmaterial habe bei seinen zahlreichen Prozessen dann auch öfter die Richter beeindruckt. Fast zehn Jahre dauerte der juristische Kampf gegen den Springer-Verlag. Wallraff gewann schließlich - nachdem das Bundesverfassungsgericht den zuvor vom Gericht in Hamburg festgestellten »Tatbestand des Einschleichens« kassiert hatte. Im Urteil steht, dass diese Methode gerechtfertigt sein müsse, da es sich bei der Bild-Zeitung um eine Fehlentwicklung des deutschen Journalismus handle.

Dieses Urteil habe ihm Mut gemacht - und sei bis heute für jeden Dokumentarfilmer von Bedeutung. »Ganz unten« als türkischer Gastarbeiter Ali war eine seiner bekanntesten Recherchen über die deutsche, prekäre Arbeitswelt abseits der Glaspaläste und schicken Managementbüros. Nachdem »Ganz unten« auch im Ausland erfolgreich war, bekam er vom japanischen Fernsehen den Auftrag zu einem 90-Minüter. Als iranischer Gastarbeiter arbeitete Wallraff dann undercover auf einer Baustelle im Großraum Tokio. Der Film hatte in Japan 8 Millionen Zuschauer. In »Unter Null« zeigte er das Leben von Obdachlosen in Köln und Frankfurt. Tagelang schlief er in überfüllten Obdachlosenunterkünften - und bei eisigen Temperaturen auf der Straße. Nicht nur die klimatische, auch die soziale Kälte: Wallraff zieht los und schaut hin. »Ich bin in dieser Hinsicht Fanatiker«, berichtete Wallraff. In seinen Rollen sei er identisch mit denen, die nicht aus ihrer Rolle raus können. Und: »Es wäre feige zu sagen, bis hier hin und nicht weiter.« Dafür riskiere er dann eben auch schon mal seine Gesundheit.

Problembewusstsein schaffen

In einer umstrittenen Rolle reiste er als Schwarzafrikaner Kwami Ogonno durch Deutschland - und bekam eine latent rassistische Gesellschaft vor die Linse. Entlarvende Aufnahmen, die einen kleinen Sturm im Blätterwald entfachten. Und selbst Kritiker kommen nicht umhin zuzugeben, dass Wallraff den Alltagsrassismus in diesem Land immerhin thematisiert hat. Manchmal seien Rollen auch Gratwanderungen, aber er versuche, dennoch fair zu bleiben.

Zunehmend sei es aber schwierig gewesen, seine Themen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterzubringen. Deshalb der Sprung zu RTL? Dies sei nur einer der Gründe, berichtete Wallraff bei Dokville. Er erreiche dort mit seiner Reihe ein junges, nicht selten selbst von Ausbeutung betroffenes Publikum zur besten Sendezeit. So könne er Problembewusstsein schaffen. Er habe bei RTL ein Team von jüngeren Kollegen, die mit großer Ernsthaftigkeit die Themen verfolgten. »Ich wundere mich manchmal über meinen Freiraum dort«, sagte Wallraff über die Senderverantwortlichen. Es gebe dort auch mutige Juristen. Er mache sich aber nichts vor: Natürlich sei bei einem Privatsender die Quote entscheidend. Bisher sei die aber erfreulich gut.

Die »Yes Men« als Vorbild

Ein Projekt über Anwälte, die sich darauf spezialisiert haben, im Auftrag von Arbeitgebern unliebsame Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Behinderte und Gewerkschafter aus den Unternehmen zu drängen, sei zunächst für das ZDF geplant gewesen. Eine wichtige Szene, in der Wallraff den selbsternannten Arbeitgeberanwalt Helmut Naujoks mit versteckter Kamera zeigt, habe das ZDF allerdings nicht senden wollen. Damit ging er dann zu RTL, die den kompletten Beitrag sogar unverpixelt zeigten. Er habe dem Sender allerdings versichert, für das Material die volle Verantwortung zu tragen.

Der Sender sehe die juristischen Auseinandersetzungen an sich - wie er selbst - ganz gelassen. Gegen einen großen privaten Pflegeheimbetreiber hätten die Senderanwälte jetzt auch Anzeige wegen falscher Behauptungen erstattet. »So muss man damit umgehen«, sagte Wallraff. Er werde die Grenzen jedenfalls weiterhin überschreiten. Es müsse in Richtung der »Yes Men« gehen. Der Film über die kritisch-satirischen US-Medienaktivisten »The Yes Men are revolting« war bei Dokville 2015 ebenfalls Thema. Regisseurin Laura Nix war dazu live aus Los Angeles zugeschaltet.

Hoffnung in den Journalisten-Nachwuchs

Wenn sauberes Handwerk, soziales Gewissen und Haltung aufeinandertreffen, dann sei das für journalistisches Arbeiten optimal, sagte Wallraff. Er vergibt ein Stipendium für jüngere Journalistinnen und Journalisten, die er für Undercover-Recherchen freistellt. Jeden Tag bekomme er Zuschriften aus der Arbeitswelt, es werde immer schlimmer. Wallraff ist mittlerweile 73 Jahre. Nur durch Mutige seien seine Beiträge überhaupt möglich gewesen. »Doch diese Leute sterben aus«, resümierte er bei Dokville. Er setze aber seine ganze Hoffnung in den jungen Nachwuchs. Sicher ist: Kritischen Journalismus hat diese Gesellschaft nach wie vor bitter nötig - Wallraff hat gezeigt, wie es geht.

(Michael Kulmus)

Neue Potentiale durch den Medienwandel

Karin de Miguel Wessendorf und Laura Johanne Zimmermann beschäftigen sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten mit der Veränderung des politischen Dokumentarfilms, die durch die Vereinfachung technischer Endgeräte und die Vereinfachung der Kommunikation via Internet angestoßen wurde. Bei Dokville blicken sie zurück auf die Geschichte des Genres und zeigen neue Möglichkeiten für die Schaffung von Öffentlichkeit auf.

Bildhinweis: Projekte Doclab © www.doclab.org

Bildhinweis: Projekte Doclab © www.doclab.org

In Karin de Miguel Wessendorfs Magisterarbeit mit dem Titel »Videoaktivismus am Beispiel der Videoproduktion der Zapatista Gemeinschaften in Chiapas (Mexiko)« steht der Videoaktivismus, als er ddurch Video ermöglichten Nutzung von Dokumentarfilm als Medium sozialer Bewegung im Vordergrund. Er erfährt erst am Anfang des 21. Jahrhunderts im Rahmen der weltweiten Vernetzung von politischen Gruppen und sozialen Bewegungen durch die digitale Technik einen regelrechten Boom. Die Frage, ob der Dokumentarfilm ein Medium zur Veränderung der sozialen Wirklichkeit sein kann und darf, stellt sich seit den Anfängen der Geschichte des Genres. Dennoch fällt de Miguel Wessendorf bei der Recherche zu ihrer Arbeit auf, dass die wissenschaftlichen Theorien des Dokumentarfilms sich kaum der Frage nach seiner gesellschaftlichen Funktion gestellt haben. Bei Dokville 2015 geht sie Fragen nach den Demokratisierungstendenzen des Mediums anhand mehrerer historischer und gegenwärtiger Momente nach. Auch Laura Johanne Zimmermann setzt sich in ihrer Bachelorarbeit mit der »Veränderung des politischen Dokumentarfilms durch den Medienund Strukturwandel hinsichtlich seines Potentials für die Konstitution von Öffentlichkeit » (Titel der Arbeit) auseinander. Sie bemerkt in den vergangenen Jahrzehnten radikale Veränderungen im Bereich der Medien und ihrer Ausprägungen. Den Wandel medialer Strukturen betrachtet sie vorrangig aus zwei Perspektiven: zum einen aus der Perspektive der veränderten politischen Bedeutung von Öffentlichkeit – auch hinsichtlich der Bedeutung von Gegenöffentlichkeit in den bestehenden Öffentlichkeitsstrukturen.

Zum anderen aus der Perspektive eines aktuellen medientechnischen Wandels, der sich vor allem in den letzten Jahren vollzogen, und weitreichende Konsequenzen für das Verständnis einer Öffentlichkeit und der hiermit verbundenen Partizipation an demokratischen Prozessen hat.

In ihrem Vortrag bei Dokville stellt sie Fragen nach dem Einfluss des Medienund Strukturwandels auf die Konstitution von Öffentlichkeit, auf den Dokumentarfilm und ob sich die Verwendung dokumentarischen Films durch diesen Wandel und den damit verbundenen technologischen Innovationen verändert hat der durch Video ermöglichten Nutzung von Dokumentarfilm als Medium sozialer Bewegung im Vordergrund. Er erfährt erst am Anfang des 21. Jahrhunderts im Rahmen der weltweiten Vernetzung von politischen Gruppen und sozialen Bewegungen durch die digitale Technik einen regelrechten Boom. Die Frage, ob der Dokumentarfilm ein Medium zur Veränderung der sozialen Wirklichkeit sein kann und darf, stellt sich seit den Anfängen der Geschichte des Genres. Dennoch fällt de Miguel Wessendorf bei der Recherche zu ihrer Arbeit auf, dass die wissenschaftlichen Theorien des Dokumentarfilms sich kaum der Frage nach seiner gesellschaftlichen Funktion gestellt haben. Bei Dokville 2015 geht sie Fragen nach den Demokratisierungstendenzen des Mediums anhand mehrerer historischer und gegenwärtiger Momente nach.

 

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Wie das Internet »Sleepless in New York«
und »Iraqi Odyssey« ermöglichte

 

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Die Schweiz hat eine Passion für den Dokumentarfilm. Nicht nur das Kinopublikum, auch die örtliche Filmförderung setzt auf das Genre. Hochwertige Produktionen wie „More than Honey“, „Sleepless in New York“, „ThuleTuvalu“ oder „Iraqi Odyssey“ haben es international auf die Leinwände und in die Feuilletons gebracht. Vernetzung, Austausch und Aktion über Onlinekanäle spielen auch in der Eidgenossenschaft eine immer stärkere Rolle - besonders bei „Iraqi Odyssey“ von Samir und „Sleepless in New York“ von Christian Frei.

„Du kennst doch Youtube“, habe ihn der Leiter des Nationalarchivs in Bagdad beim Teetrinken gefragt, berichtete Samir bei Dokville. Damit hatte sich zwar seine Anfrage nach Videomaterial erledigt - aber eine neue digitale Fundgrube tat sich auf. In „Iraqi Odyssey“ erzählt er die Geschichte seiner Familie, und damit auch die von rund vier Millionen anderen Iraki im Ausland. Über die Sozialen Netzwerke hat er unzählige Fotos und Videos erhalten, die er in seinem Film verwendete. Die gesamte säkulare Mittelschicht des nahen Ostens sei online gut vernetzt. Deshalb auch ein Webprojekt zum Film: Auf einer Online-Plattform können Menschen ihre ganz persönlichen Flucht- und Familiengeschichte erzählen und dazu Fotos und Videos hochladen.

Bei »Sleepless in New York« hat das Internet mitgeholfen

Das Internet spielte auch bei der Entstehung von Freis „Sleepless in New York“ eine Schlüsselrolle. Über eine eigene Website und Soziale Medien fand er Menschen, die gerade von ihren Partnern verlassen wurden – und zwar in der Metropole New York. Ohne diese Werkzeuge wäre die Suche nach geeigenten Protagonisten schwer bis unmöglich gewesen. Denn Frei wollte Menschen portraitieren, die gerade erst verlassen wurden und diesen Schmerz unmittelbar erleben. In einer Stadt, die niemals schläft, ist das Internet an sich die passende Kommunikationsplattform. Frei hatte kompetenten Beistand: Zwei Social-Media-Expertinnen durchforsteten die Sozialen Kanäle nach potentiellen Mitmachenden. Und Verlassene konnten ihre Gedanken und Gefühle in Form von Tagebucheinträgen auf der geschalteten Internetseite anonym beschreiben.

Die ersten Sekunden seines Films kommen dann auch ganz digital daher. Inklusive »Pixelcharme«, wie Frei bemerkte. Zu sehen sind Ausschnitte eines Videochats mit der 31-jährigen Alley. „Als sie nicht schlafen konnte und sich nachts per E-Mail meldete, habe ihr sofort zurückgeschrieben. Gleich darauf rief sie mich per Skype an“, erzählte Frei. Aus dem Instinkt heraus habe er den Aufnahmeknopf gedrückt - so seien dann einige Dokumente dieser einsamen Nächte entstanden. In einer Stadt, die niemals schläft, ist das Internet an sich die passende Kommunikationsplattform.

 

 

Sehen Sie hier den Videomitschnitt von Dokville 2015:


 

 

Die Yes Men: Helden aus der Crowd

Sie sind lustig, sie sind redegewandt, sehr kreativ und es ist ihnen nichts peinlich. In einem Interview mit der Wochenzeitung »der Freitag« wurden sie die Superstars der Kommunikationsguerilla genannt.

Bei den Yes Men steht Kommunikation in allen Medien an erster Stelle. Bereits die Anfangsfinanzierung des neuen Films »The Yes Men are revolting« erfolgte über die Crowd. Bei kickstarter pitchten Jacques Servin und Igor Vamos, so die bürgerlichen Namen der beiden, ihr Filmprojekt. Sie fragten nach 100.000 US-Dollars, erhielten 146.000 von 2523 Unterstützern und jede Menge verbalen Zuspruch. Der Schwarm identifiziert sich mit den Ideen der beiden als Mike Bonanno und Andy Bichlbaum bekannten Akteure und ist bereit zu spenden.

Doch ihre Kommunikation geht weiter. Ziel ist es, viele Menschen in Aktionen einzubinden, sei es bereits bei der Finanzierung, im Austausch während Kinovorführungen, Gesprächen auf der Straße oder in der Zusammenarbeit mit NGOs und Stiftungen. Mittlerweile haben sie ihre eigene NGO, das Yes Lab gegründet, in dem sie Organisationen und Privatpersonen schulen.

Auf die Frage, die auch zentral in dem neuen Film ist, ob der Kapitalismus ihre Aktionen einfach absorbiert und sich am System nichts ändert, sagte Igor Vamos in »der Freitag«: »Wir wissen, wie man Geschichten über wichtige Probleme in die Medien bringt. Natürlich bringt das das System nicht zu Fall, aber es gibt andere Dinge, die das System stürzen können. Massenbewegungen verändern zum Beispiel Dinge.« Sie sind global vernetzt und engagieren sich seit zwanzig Jahren. Eine Zeit, die sie für sehr kurz halten, wenn es darum geht, wirkliche Veränderungen herbei zu führen.

Bildhinwie: Szene aus »The Yes Men are revloting« © Nate “Igor” SmithSeit Beginn filmen sie ihre Aktionen, entstanden sind daraus die Dokumentarfilme »The Yes Men« (2004), »The Yes Men fix the world« (2009) und »The Yes Men are revolting«, der auf der Berlinale 2015 seine Europa-Premiere erlebte. Koproduziert wurde der letzte Teil der Trilogie von der erfolgreichen, international tätigen Filmproduktion Gebrüder Beetz.

In »The Yes Men are revolting« gelingt der Filmemacherin Laura Nix eine Kombination aus Charakterstudie und unterhaltsamer Dokumentation, was nicht zuletzt an den kreativen Aktionen von Mike Bonanno und Andy Bichlbaum liegt. Der Film zeigt, wer die Menschen hinter den Shows sind und vermittelt die hoffnungsvolle Botschaft, dass Veränderung möglich ist, wenn man sich dafür einsetzt.

Bei DOKVILLE spricht Christian Beetz über seine Erfahrungen als Koproduzent, während Attac und Greenpeace erläutern, welchen Stellenwert Dokumentarfilme bei ihren Kampagnen haben und mit welchen Mitteln sie welche Filme unterstützen.

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Dokumentarfilmland Schweiz
- eine Erfolgsgeschichte

 

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Die Schweiz ist seit vielen Jahren nicht nur für Schokolade, Feinmechanik und Bankgeschäfte, sondern auch für ihre Dokumentarfilme bekannt. Der Förderfokus liegt in dem Alpenstaat besonders auf diesem Genre, und auch das Schweizer Publikum begeistert sich für Dokumentationen. Corinna Marschall, Geschäftsleiterin von MEDIA Desk Suisse, sprach bei Dokville über die Fördermöglichkeiten und Dokumentarfilmszene in der Eidgenossenschaft. Die harten Fakten beeindrucken: »48 Prozent aller Schweizer Kinofilme sind Dokumentarfilme«, berichtete sie.

Schon 1962 wurde die Schweizer Filmförderung gegründet, um ausschließlich die Herstellung von Dokumentarfilm zu fördern. Durch europäische Kooperationsabkommen, insbesondere mit den Nachbarländern Deutschland und Österreich, können auch internationale Produktionen gefördert werden - mit strikten und ausführlichen Quotenregelungen für die Schweizer Beteiligung. »More than Honey« etwa war eine der erfolgreichsten Co-Produktion zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland. Laut Marschall gibt es rund 60 Produktionsfirmen in der Schweiz, aber nur 30 produzieren jährlich einen Film. Bei Dokville stellte sie die sechs bekanntesten Filmfödereinrichtungen vor: Vom Bundesamt für Kultur über den MEDIA Desk Suisse und den Pacte de l`Audiovisuel des Schweizer Fernsehens bis hin zur Kulturförderung der Migros.

Jährlich fördert etwa das BAK den Dokumentarfilm mit rund 4 Millionen Euro - das sind knapp 17 Prozent von rund 21 Millionen Fördergeldern. Normalerweise drei oder vier Mal im Jahr können bei den Förderinstitutionen Filmprojekte eingereicht werden. Das Schweizer Fernsehen SRF realisiert rund 200 Filme pro Jahr in Koproduktion mit unabhängigen Produzenten. Allerdings liegen die Filmrechte viel länger als etwa in Deutschland beim Sender - Standard waren bislang 15 Jahre. Wohl ebenso typisch Schweiz: Auch zahlreiche Stiftungen fördern den Dokumentarfilm. Reich werde man mit dem Produzieren von Dokumentarfilmen aber auch in der Schweiz nicht, sagte Marschall. Einige Filmemacher könnten aber davon leben.

Sehen Sie hier den Videomitschnitt von Dokville 2015:


Warum ist der Schweizer Dokumentarfilm so erfolgreich?

41.285 Quadratkilometer groß und doch voll kondensierter Dokumentarfilmkraft: das ist die Schweiz. Das Alpenland hat im Jahr 2014 laut Schweizer Filmarchiv 31 Spiel- und 54 Dokumentarfilme produziert. Diese Zahlen sprechen für sich. Bei DOKVILLE, dem Branchentreff Dokumentarfilm (am 18 und 19. Juni 2015 in Ludwigsburg) stellen zwei der derzeit einflussreichsten Schweizer Dokumentarfilme - Samir und Christian Frei - ihre Arbeiten und das spezielle Schweizer Rezept für gute Dokumentarfilme vor.

Bildhinweis: Szene aus »Sleepless in New York« © Christian Frei Filmproduktionen

Viele Namen von Schweizer FilmemacherInnen wie Samir, Markus Imhoof, Christian Frei oder Anna Thommen sind längst über die Grenzen Helvetias hinaus bekannt. Imhoofs »More than Honey« war der erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm aller Zeiten, mit 254.167 Kinobesuchern allein in der Schweiz. Angeblich hat er die Entscheidungen der EU zum Verbot von Pestiziden, die wohl für das Bienensterben verantwortlich sind, beeinflusst. Auch in den deutschen Kinos erreichte der Dokumentarfilm, der von der deutschen Produktionsfirma Zero one (Thomas Kufus) koproduzier wurde, hervorragende Ergebnisse und wurde unter anderem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Der deutsche Kinomarkt wäre ohne die Schweizer etliches ärmer: Im Jahr 2013 sind acht Schweizer Spiel- und ebenso viele Schweizer Dokumentarfilme in Deutschland in den Kinos gelaufen.

Der Schweizer Dokumentarfilm fährt dabei mehr Lorbeeren bei Festivals und in den Kinosälen ein als der Spielfilm. Der für einen Oscar nominierte »War Photographer«(Christian Frei, 2001) war international in den Kinos zu sehen, wie auch »Elisabeth Kübler-Ross« (Stefan Haupt, 2003), »Die Frau mit den 5 Elefanten« (Vadim Jendreyko, 2009), »Sounds of Insects« (Peter Liecht, 2009) und »Cleveland vs. Wall Street« (Jean-Stéphane Bron, 2010). Alleine »War Photographer« wurde von einer Viertelmilliarde Zuschauern weltweit gesehen - bei 25.000 in der Schweiz verkauften Kinotickets.

Der Schweizer Dokumentarfilm hat also Gewicht.

Das war nicht immer so: In den 1940er und 1950er Jahren war das dokumentarische Bild, mit dem sich die Schweiz präsentierte eher folkloristisch und touristisch ausgerichtet. Die Wende kam mit »Siamo Italiani« („Wir sind Italiener“) von Alexander Seiler, dem ersten Dokumentarfilm, der die harte Arbeit und den tristen Alltag italienischer Einwanderer beleuchtet. Man schrieb das Jahr 1964, und die Italiener wurden von der Gesellschaft als »Problem wahrgenommen. Der Dokumentarfilm als Ort gesellschaftlichen Diskurses war geboren. Der Film gilt als einer der Schlüsselfilme des Neuen Schweizer Films.

Bildhinweis:Szene aus »Iraqi Odyssey« © SamirAuch politischem Willen ist es zu verdanken, dass sich die Schweiz zum erfolgreichen Dokumentarfilmland entwickelt hat. Das erste Filmgesetz aus dem Jahr 1962 - das die eidgenössische Filmförderung etablierte - war exklusiv für Dokumentarfilme reserviert.

Festivals wie »Visions du Réel« in Nyon, dass sich ganz dem Dokumentarfilm widmet oder die »Solothurner Filmtage«, die sich im Programm »Panorama Schweiz« auch schwerpunktmäßig dem Dokumentarfilm hinwenden, schaffen ein Forum.

Der Schweizer Dokumentarfilm ist auf Bundesebene vom Staat unterstützt. Auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist größter Produzent und Verbreiter von Dokumentarfilmen und bringt damit einen großen Anteil für die Förderung dieses Genres. Warum der Dokumentarfilm in dem relativ kleinen Land so stark ist, liegt auch daran, dass die Produktions- und Verleihkosten niedriger sind als für Spielfilme.

Christian Frei hat in einem Interview einmal gesagt: »Das Schöne in der Schweiz ist, dass der Dokumentarfilm nicht einfach die kleine hässliche Schwester der schönen großen Blondine Spielfilm ist - wie das vielleicht etwa in Deutschland der Fall ist.« Mehr Gründe und Hintergründe, warum der Dokumentarfilm vielleicht die kleine, aber schöne Schwester ist, sind Gegenstand des DOKVILLE-Vortrags von Corinna Marschall und auch des anschließenden Gesprächs mit den beiden Filmemachern Samir und Christian Frei.


Zu Gast bei DOKVILLE:

Samir mit seinem Dokumentarfilm „Iraqi Odyssey“, 2014:
Vielen ist der Zürcher als Spielfilmregisseur bekannt, obwohl er ebenso viele Dokumentarfilme gemacht hat, allen voran „Forget Baghdad“ (2002). In „Iraqi Odyssey“ erzählt Samir anhand seiner Familiengeschichte das Schicksal des Iraks, seines Herkunftslandes.

Christian Frei mit seinem Dokumentarfilm »Sleepless in New York«, 2013:
Christian Frei war mit „War Photographer“ für den Oscar nominiert und hat sich mit den Dokumentarfilmen »The Giant Buddhas« und »Space Tourists« einen Namen gemacht.
Im Film »Sleepless in New York« Frei von verzweifelten und einsamen Menschen, die vom Partner verlassen wurden. Er macht ihren unendlich schwierigen Weg aus der selbstzerstörerischen Besessenheit heraus fühlbar.

Corinna Marschall ist seit 2011 Geschäftsführerin des Schweizer MEDIA Desk.

(Astrid Beyer / Simone Polier)

Bildhinweise:
Szene aus »Sleepless in New York« © Christian Frei Filmproduktionen
Szene aus »Iraqi Odyssey« © Samir

Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Filmemacher Samir: Mehr als der Familienarchivar

Der Schweizer Dokumentarfilmer Samir hat bei Dokville 2015 und einer anschließenden DOK Premiere zu seinem jüngsten Film »Iraqi Odyssey« viel über seine Arbeiten berichtet. Samirs Eltern sind in den 1960er Jahren aus politischen Gründen aus dem Irak in die Schweiz emigriert. Diese Erfahrung der Emigration, die Integration der zweiten Generation und den Beziehungen der westlichen Welt zum arabischen Raum ist ein roter Faden in seinen Filmen, mit denen er oft technisch Neuland betrat. Der Film wird am 24. September 2015 in die deutschen Kinos kommen, leider aber nur gekürzt und in 3D. Die Vorführung in Ludwigsburg fand mit einem 3D-Director's Cut statt und der Filmemacher gab anschließend bereitwillig Auskunft über das Projekt und dessen Hintergründe.

Foto: Der Filmemacher Samir bei Dokville 2015 @ Sabine Hackenberg, HDF

Foto: Der Filmemacher Samir bei Dokville 2015 @ Sabine Hackenberg, HDF

Einer der ersten digitalen Dokumentarfilme von Samir war »Babylon 2« (1993) über die zweite Generation von Immigranten in der Schweiz. Schon damals kontrastierte er die aktuellen Bilder als Splitscreen mit alten Fotos oder Archivaufnahmen. In »Forget Bagdad« (2002) setzte er sich mit Kameramann Nurith Aviv mit dem Paradox auseinander, dass irakische Juden in Israel leben und über ihre Sprache und Herkunft eigentlich die Feinde ihrer eigenen Gesellschaft sind. Damals entstand die Idee, einen Film über seine Familie und ihre wechselvolle Geschichte zu machen.

So entstand schließlich »Iraqi Odyssey«. Der Film hatte seine Europapremiere auf der diesjährigen Berlinale im Panorama und lief in der Schweiz in der Langfassung mit 162 Minuten Länge und in 3D erfolgreich im Kino. Dieser »Directors Cut« wurde nun auch bei der »DOK Premiere« im Ludwigsburger Caligari gezeigt, während der Film im deutschen Kino ab 24. September in einer gekürzten Version in 2D starten wird. Damit geht ein besonderer Reiz des Films verloren, denn Samir hat bewusst ein stereoskopisches Experiment gewagt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand natürlich seine Familiengeschichte und die aktuelle Situation der Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten. Denn wie Millionen Iraker ist Samirs Familie inzwischen auf der ganzen Welt verteilt in Europa, in den USA, Neuseeland und im Irak. In den persönlichen Geschichten einiger seiner Verwandten spiegelt sich immer die Geschichte des 20. Jahrhunderts ? vor allem des arabischen Raums. Von daher geht der Film weit über die persönlichen Geschichten hinaus. Samirs Familie ist symptomatisch für dieses Land und lässt die aktuelle Flüchtlingsdiskussion in neuem Licht erscheinen.


Das Sammeln des Materials dauerte sieben Jahre

Foto: Szene aus »Iraqi Odyssey« @ Dschoint Ventschr FilmproduktionNachdem die Idee des Films geboren war, wurde Samir von seiner Familie als Familienarchivar gesehen und sie schickten ihm viel Material. Doch die Entwicklung des Films und die Recherche nach historischem Filmmaterial dauerte sieben Jahre, In dieser Zeit veränderte sich auch das globale Medienverhalten. Tauschten sie zu Beginn E-mails aus, kam irgendwann Facebook hinzu und inzwischen ist es ganz natürlich, über den Weltball zu kommunizieren und Material auszutauschen. Dieser Aspekt der Globalisierung ist auch ein Teil des Projektes. Im Schnitt sah Samir, dass man die zahlreichen Informationen und historischen Quellen, ob nun Archivmaterial, Fotos oder Dokumente mit neuen Schnittprogrammen von Avid im Raum staffeln kann und sie dabei im Originalformat belassen kann. Wie in der Musik galt es, die verschiedenen Elemente richtig zu ordnen und rhythmisch abzustimmen. Dies war eine sehr spannende Feinarbeit. Schon bei ersten Tests hatten sie herausgefunden, dass sich verschiedene 3D-Aufnahmen nicht in einem Bild zusammenführen lassen. Von daher blieb das Material in 2D, nur die Interviews mit seinen Verwandten drehte er noch einmal neu in 3D. Dabei half eine kleine, handliche Kamera von JWC, die mit zwei weitwinkeligen Festobjektiven arbeitete, die die zeitaufwändige Einstellung der beiden Objektive erübrigte. Aber auch dort war die Erfahrung, dass man nicht zu nah an die Protagonisten heran gehen durfte, weil sie sonst auf der Leinwand mit ihrer Gestik unnatürlich wirkten. Ähnliches galt für das Auf- und Abblenden der Aufnahmen mit den Personen, die nicht wie Geistererscheinungen wirken sollten.

Bei den Recherchen wurde offensichtlich, dass es im Irak nach den vielen Umbrüchen und Kriegen kaum noch Filmmaterial gibt. Fündig wurde das Team in verschiedenen Filmarchiven in England, den USA und Moskau, denn die Großmächte interessierten sich immer schon für den arabischen Raum und Samirs Heimat war vor gar nicht so langer Zeit eine britische Kolonie.

Wie erwähnt sind Millionen Iraker geflohen und bilden heute eine globale Community. Mit dem Film startet Samir das Online-Projekt www.iraqiodyssey.com, um eine globale irakische Web Community aufzubauen, das er auch schon bei Dokville 2015 vorgestellt hatte. Auf dieser Seite finden sich Informationen zu seinem Film, der ihm eine Herzensangelegenheit ist. Auf einer Timeline kann man die irakische Geschichte recherchieren und die eigenen Geschichten, Filme und Fotos hochladen. So könnte über die Jahre ein virtuelles Filmarchiv des Irak entstehen und die unglaublichen Verluste zumindest teilweise ausgleichen.

Trotz brütender Hitze stieß die Premiere des Filmes in Ludwigsburg auf einiges Interesse und es war auch extra eine Studentengruppe des 3D-Instituts in Karlsruhe angereist, um »Iraqi Odyssey« zu sehen und darüber zu diskutieren. Die »DOK Premiere« ist eine Veranstaltungsreihe des Hauses des Dokumentarfilms in Stuttgart und von Kinokult.de im Ludwigsburger Kino Caligari. Dokville 2015, der Branchentreff Dokumentarfilm, an dem Samir ebenfalls von seinen Arbeiten berichtete, fand am 18. und 19. Juni 2015 statt.

(Kay Hoffmann)

Foto: Szene aus »Iraqi Odyssey« @ Dschoint Ventschr Filmproduktion

Foto: Szene aus »Iraqi Odyssey« @ Dschoint Ventschr Filmproduktion

 

Launch von »DOKSITE« bei DOKVILLE

Das Haus des Dokumentarfilms bekommt digitalen Nachwuchs. Wer sich schon immer gefragt hat, wie die Dokumentation im Fernsehen hieß, von der gerade noch die letzten spannenden Minuten beim Durchzappen zu sehen waren, wird bei der neuen DOKSITE fündig. Das Filmportal des Hauses des Dokumentarfilms geht pünktlich am 18. Juni 2015 online. Präsentiert wird das neue Angebot zum Auftakt von Dokville in einem Kurzvortrag. Vorgestellt wird dort auch eine App für Android- und iOS-Mobilgeräte.

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Umfassend und einzigartig in Deutschland, Mitte Juni geht die DOKSITE, das Filmportal für den Dokumentarfilm online. Das Projekt aus dem Haus des Dokumentarfilms wird zum Auftrakt von DOKVILLE 2015 von Anna Leippe kurz vorgestellt. Ebenfalls präsentiert wird eine App für Android- und iOS-Geräte, mit denen die Inhalte des Portals auch mobil abrufbar sind.

Drei große Themenkomplexe widmen sich ganz dem dokumentarischen Film:

  • Die Dokuthek ist eine Suchmaschine für dokumentarische Filme im Fernsehen, Kino und im Netz. Eine Liste internationaler Filmfestivals und eine Rangliste der besten Dokumentarfilme erweitern die Funktionen der Dokuthek.
  • Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg wird hier multimedial. Die Plattform ermöglicht die Recherche von aktuellen und historischen dokumentarischen Filmen.
  • Die DOK-Akademie steht ganz im Zeichen junger Filmemacher.


Was läuft wann und wo? In der Dokuthek finden sich alle aktuellen relevanten Dokumentationen/Dokumentarfilme im Fernsehen in einer Übersicht und mit Direktlink auf die Webseiten der Fernsehsender (öffentlich, rechtlich und private Sender) und ihrer Mediatheken. Aktuell laufende Dokumentarfilme im Kino können deutschlandweit recherchiert und die Kinos direkt kontaktiert werden. Die DOK-APP für Apple und Android ermöglicht die mobile Nutzung der Dokuthek.

Mit DOKSITE wird die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg (LSF) zu einer multimedialen Datenbank zur Erfahrung von Geschichte und persönlichen Geschichten! Peu à peu werden die mehr als 8.000 Dokumentar-, Industrie-, Werbe- und Imagefilme auch als Stream auf der DOKSITE zu finden sein. Recherchierbar sind alle ab sofort. Die visuelle Erinnerungswerkstatt ist damit öffentlich und rund um die Uhr zugänglich.

Die Recherchemasken bei DOKSITE werden gegenüber anderen Portalen wie Youtube oder Vimeo um viele Facetten erweitert: Eine Verortung mit Googlemaps findet statt, es gibt eine Identifizierung von Personen der Zeitgeschichte, erweiterte Filterungen und vieles mehr. Bequem können Filme je nach Rechtelage vom Portal direkt herunter geladen werden. Das Portal ist barrierefrei.

DOK-Akademie: In Baden-Württemberg werden zahlreiche Jungfilmer ausgebildet. Auf dieser spezialisierten Plattform können Filmemacher genrespezifisch, ihre Werke pitchen, zeigen, diskutieren und ihr eigenes Profil erstellen. Interessierte haben so Zugriff auf Filme, die ansonsten nur einen begrenzten Zugang zur Öffentlichkeit gefunden hätten.

Mit der DOKSITE entsteht ein Filmportal auf dem das Dokumentarische einen prominenten Platz bekommt. Dieses Projekt des Hauses des Dokumentarfilms entsteht mit Unterstützung des SWR und wird gefördert aus den Mitteln des Innovationsfonds Kunst des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

 

Dokville 2015 multimedial - Videos und Audios vom Branchentreff



Günter Wallraff: Man muss sich Zeit nehmen

Was macht einen guten Dokumentarfilm aus? Das fragt die Reporterin von Campus TV den Journalisten und Filmemacher Günter Wallraff bei Dokville 2015. Kein Wunder: Schon im ersten Satz antwortet er, der Film müsse »einer juristischen Überprüfung« standhalten. Da kennt sich der Mann, der Dutzende Rollen annahm, um Missstände aufzudecken, aus. Bei Dokville wurde Günter Wallraff von Prof. Dietrich Leder in der Reihe »Im Gespräch« befragt werden. Leder unterrichtet im Bereich Dokumentarfilm, fiktionale Formen und Unterhaltung an der Kunsthochschule für Medien Köln.

 

Telefoninterview mit Laura Nix (mp3-Mitschnitt)

Die amerikanische Filmemacherin Laura Nix - zu der Zeit noch etwas verschlafen, aber mit dampfender Kaffeetasse ausgestattet -, weilte während Dokville 2015 in Los Angeles weilte. Dennoch trug sie zum Dokville-Plenum »Case Study: The Yes Men« Erhellendes bei. Per Skype. Den Audiomitschnitt gibt's hier zum Nachhören.

 

Christian Beetz: »Man muss alle Kanäle bedienen«

Das genau richtige Thema nach dem Nachmittagskaffee: Dokville 2015 bringt seine Gäste zum Schmunzeln. Der Grund dafür ist der ausführliche Filmbeitrag zu »The Yes Men are revolting«. Der deutsche Koproduzent Christian Beetz hat diesen Film über zwei amerikanische Politaktivisten mitgebracht. In unserem Videointerview mit Campus TV der Uni Tübingen beschreibt er noch einmal den Einsatz sozialer Medien beim Filmemachen.

 

Soziale Medien im Film sind »ein Muss«

Astrid Beyer (Kuratorin Dokville) spricht hier in unserem kurzen Videointerview über die Bedeutung sozialer Medien für »Kampagnenfilme«. Dokville, der Branchentreff Dokumentarfilm, beschäftigte sich am 18. und 19. Juni 2015 mit »film + social media«. Alle diskutierten Filmprojekte hatten maßgeblich mit sozialen Medien für Aufmerksamkeit gesorgt - oft schon vor Beginn der Dreharbeiten.

 

Soziale Medien im Film sind »ein Muss«

Auf unserem Video, das vom CampusTV der Uni Tübingen bei Dokville 2015 gedreht wurde, nimmt Annekathrin Otto in einem kurzen Statement Stellung zum Einsatz der sozialen Medien beim Aufbau einer Fangemeinde für ein (Dokumentar-)Filmprojekt. Otto hatte den Film »10 Milliarden« von Valentin Thurn mit ausgefeilten Social-Media-Kampagnen begleitet.

 


Ein Mann, viele Rollen: Von Hans Esser zum Team Wallraff

Enthüllungsjournalist, Schriftsteller, Aktivist: Günter Wallraff schaut da hin, wo andere gerne wegschauen. Seine Passion ist das Aufdecken sozialer Missstände, moderner Sklaverei oder Machtmissbrauch an den Schwachen. In diesen Rollen hatte er schon viele Namen. »Hans Esser«, »Ali« oder »Michael G.«, sind nur drei davon. Am 18. Juni 2015 wird er zu Gast sein bei DOKVILLE, dem vom Haus des Dokumentarfilms zum 11. Mal ausgerichteten Branchentreffs Dokumentarfilm. Thema des Gesprächs mit Prof. Dietrich Leder von der Kunsthochschule der Medien in Köln wird auch die Fernsehreihe »Team Wallraff« sein, mit der RTL seit 2013 ein zumindest partieller Imagewechsel gelungen ist. Dokumentiert haben Wallraffs Investigativreporter unter anderem unhygienische Zustände in Burger-King-Filialen.

Bildhinweis: Günter Wallraff (Foto von 2012) © Christoph Hardt (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

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Dokville 2015 - 18./19. Juni 2015

Zum Nachhören: Telefoninterview mit Laura Nix

Wieviel Freiheit hat man eigentlich als Regisseurin der als »The Yes Men« bekannt gewordenen Politaktivisten Mike Bonanno und Andy Bichlbaum? Das war eine der Fragen, die bei Dokville 2015 beantwortet wurden - und zwar von Filmemacherin Laura Nix selber, die zu der Zeit, noch etwas verschlafen und mit dampfender Kaffeetasse ausgestattet, in Los Angeles weilte. Zum Dokville-Plenum »Case Study: The Yes Men« wurde Laura per Skype hinzugeschaltet. Den Audiomitschnitt des rund 10 Minuten langen Telefonats haben wir hier zum Nachhören dokumentiert.

Angaben gemäß § 5 TMG

Haus des Dokumentarfilms
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Geschäftsführerin: Dr. Irene Klünder
Vorsitzender: Dr. Manfred Hattendorf
Teckstraße 62
D - 70180 Stuttgart

Telefon +49 (0) 711 - 929 309 00
Telefax +49 (0) 711 - 929 309 20

Kuratorin Dokville: Astrid Beyer
Redaktion & Webdesign: Thomas Schneider
Grafik (Logos): Kristina Scandurra (SWR)

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Auswahl weiterer Websites unseres Hauses:


DOKUMENTARFILM.INFO
Unser tägliches Angebot im Internet ist www.dokumentarfilm.info. Hier finden Sie Nachrichten, Diskussionen, Termine und Doku-Tipps. Ausgewählt, geschrieben und editiert von Fachleuten und Journalisten. Probieren Sie es einfach mal aus.

HDF.DE
Im Haus des Dokumentarfilm - Europäisches Medienforum e.V. halten wir ein über 8000 Filme starkes Archiv mit Dokumentarfilmen bereit. Monatlich veranstalten wir Filmreihe wie »YoungDOK« und »DOK NIGHT« und gehen mit unseren Programmen bei »DOK Premiere« und »DOK Views« auch an andere Veranstaltungsorte. Informieren Sie sich hier über unsere Arbeit vor Ort.

DOKSITE.DE
Unser neues Webportal mit vielen Informationen, Listen und Archivdaten rund um den Dokumentarfilm.

LANDESFILMSAMMLUNG-BW.DE
Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg ist ein einzigartiges Archiv mit heute bereits über 8000 historischen Filmdokumenten. Sie finden uns im Haus des Dokumentarfilms. Hier können Sie sich auch über unsere DVD-Editionen informieren: Filmschätze aus unserer Heimat, einzigartige Filmdokumente aus privater Hand und aus öffentlichen Archiven - in neuen Filmen wieder lebendig geworden.

DOKUMENTARFILMFORSCHUNG.DE
Wissenschaft trifft Filmwissen: Im wissenschaftlichen Bereich findet ein intensiver Austausch mit Filmarchiven und Filmwissenschaftlern im In- und Ausland statt. Regelmäßig organisieren wir Veranstaltungen zu Fragen des Dokumentarfilms - von historischen Themen bis hin zu aktuellen Fragestellungen. Über diese Projekte berichten wir auf Dokumentarfilmforschung.de